Dr. Bieger, Neurostressexperte

Sehr verehrte Besucher* meiner Web-Seite,

seit über 30 Jahren beschäftige ich mich mit dem Thema „Neurostress“; ein Thema, das nach wie vor großes Interesse in der breiten Öffentlichkeit findet.

Seit über zehn Jahren stelle ich Ihnen auf meiner Webseite praxis-relevante Informationen zu diesem Thema aber auch zu verwandten Themen vor. In dieser Zeit haben über eine halbe Million Interessenten meine Seite besucht, um sich über die vorgestellten Konzepte zu informieren, teilweise auch, um zur weiteren Information, anschließend Kontakt mit mir aufzunehmen.

Hier sehen Sie nun meine technisch überarbeitete Webseite, die die Nutzung mit den gängigen Endgeräten erlaubt. Gerne könne Sie mir Ihre Fragen, Anregungen und Kritik zuschicken über das E-Mail-Kontaktformular.

*) Zu Gunsten der Lesbarkeit verzichte ich auf männlich/weiblich Formulierungen. Sämtliche Ausdrücke die männlich ausformuliert sind, gelten sinngemäß für alle Geschlechter (m/w/d).

Was ist Neurostress?

Neurostress, ist ein Sammelbegriff für eine Vielzahl körperlicher und psychischer Beschwerden, welche durch unsere Lebensweise, ungünstige Umweltbedingungen, falsche Ernährung, Medikamente, beruflichen und sozialen Stress, Schlafmangel, Reizüberflutung oder auch genetische Veranlagung verursacht werden.

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit praktischen, alternativ-therapeutischen Lösungen bei Neurostress.

Der Begriff entstand in den neunziger Jahren, als man die medizinischen Erkenntnisse der Leib-Seele-Verbindung im medizinischen Fachgebiet der Psycho-Neuro-Endokrino-Immunologie („PNEI“) zusammenführte. Dieses medizinische Fachgebiet untersucht das Zusammenwirken psychischer, neurologischer, endokriner/hormoneller und auch immunologischer Phänomene der Stress-Reaktion.

Man kann sagen, dass Neurostress Ausdruck eines neuro-regulatorischen Ungleichgewichts ist, welches Funktions-Störungen auslöst, zu denen u.a. so häufige Erkrankungen wie Depressionen, Ängste, Fatigue (Erschöpfungs-Syndrom), Migräne und Fibromyalgie (eine chronische Schmerzerkrankung) gehören.

Ich habe die wissenschaftliche Literatur zu diesem Thema verfolgt und habe mich dabei neben den biologischen und biochemischen Grundlagen immer besonders für die Diagnostik und praktische Therapieansätze bei Neurostress interessiert.

Therapie bei Neurostress-bedingten Erkrankungen, z.B. bei Depressionen

Gerade im Hinblick auf Depressionen möchte ich Ihnen eine wissenschaftliche Untersuchung vorstellen, die mich schon sehr früh besonders beeindruckt hat: Es handelt sich um eine Studie aus dem Jahre 1991 von Prof. Pöldinger und Kollegen. Prof. Pöldinger hat diese Arbeit in seiner Zeit als Chefarzt der Psychiatrischen Universitäts-Kliniken Basel verfasst. Er hat untersucht, inwieweit die Therapie mit bestimmten Aminosäuren, also bestimmte natürliche Körper-Bausteine – vergleichbar ist mit einer Therapie mit einem Anti-Depressivum.

Grundlage dieser Arbeiten war die Beobachtung, dass der bei Depressionen sehr oft verminderte Botenstoff (sog. „Neurotransmitter“) Serotonin aus bestimmten Aminosäure-Vorstufen vom Körper aufgebaut wird. Pöldinger ging von der Überlegung aus, dass ein größeres Angebot der Serotonin-Bausteine zu einer verstärkten Bildung des Botenstoffes durch den Körper selbst führen würde. Letztlich hätte dies ein verstärktes Angebot an Serotonin zur Folge und dies könnte die durch Serotonin-Mangel ausgelöste depressive Symptomatik bessern.

Serotonin wird im Körper aus der Aminosäure Tryptophan, über 5-Hydroxy-Tryptophan synthetisiert. Dieser Baustein kann dem Körper peroral (als Nahrungs-Zusatz) zugeführt werden und er gelangt über die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn.

In der folgenden Abbildung ist ein zentrales Ergebnis aus der Original-Arbeit von Pöldinger und Kollegen gezeigt:

Die Abbildung aus der Original-Arbeit von Pöldinger zeigt den Verlauf der Erkrankung in zwei Patienten-Gruppen mit Depressionen, eine Gruppe die mit der Aminosäure 5-Hydroxy-Tryptophan (5-HTP) behandelt wurde (geschlossene Balken) und eine Gruppe, die mit dem Medikament Fluvoxamine behandelt wurde, einem damals ganz neuen, als besonders wirksam angesehenen Anti-Depressivums. Dieses Medikament gehört zur Gruppe der Selektiven Serotonin Reuptake Inhibitoren (SSRI). Diese verstärken die Wirkung des Neurotransmitters Serotonin, ohne jedoch den grundsätzlichen Mangel zu beheben.

Bei den behandelten Patienten wurde die Schwere der Depression anhand des sog. „Hamilton Score“ über 6 Wochen gemessen. Der Hamilton-Score erfasst den Schweregrad der Depression über die Messung verschiedener Symptome.

Der Schweregrad der Depression ging in beiden Gruppen im Zeitverlauf zurück.

Beeindruckenderweise zeigte sich, dass die Therapie mit der Aminosäure 5-Hydroxy-Tryptophan ähnlich wirksam war, wie die Therapie mit dem Anti-Depressivum Fluvoxamine

Sehr erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang natürlich, dass die Nebenwirkungen bei der Therapie mit der Aminosäure viel seltener und deutlich geringer sind als bei der Therapie mit dem Anti-Depressivum.

Die Aminosäure-Therapie (Amino Acid Therapy; AAT) von Depressionen wurde in den letzten Jahren immer wieder auf den Prüfstein gestellt. So wurden im Jahr 2002 die damals vorliegenden klinischen Studien (über 100! an der Zahl) zum Thema Aminosäure-Therapie bei Depressionen kritisch hinterfragt (Shaw).

Auch in dieser kritischen Analyse wurde festgestellt, dass „The results of this meta-analysis suggest that 5-HTP and tryptophane may have a positive effect in depression.“ Übersetzung durch den Verfasser: „Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse deuten darauf hin, dass 5-HTP und Tryptophan einen positiven Effekt bei Depressionen haben können“. Die Autoren weisen jedoch auch darauf hin, dass noch weitere Studien notwendig sind, um diesen Effekt endgültig nachzuweisen.

Angeregt durch diese und viele weitere Arbeiten habe ich mich in den Folgejahren intensiv mit den Einzelheiten der Aminosäure-Therapie bei Neurostress beschäftigt.

Das dabei erworbene Wissen halte ich für sehr wichtig und möchte es gerne mit Ihnen teilen. In diesem Sinne habe ich Ihnen schon seit über 10 Jahren auf meiner Web-Seite Informationen zu diesem Thema aber auch zu verwandten Themen zur Verfügung gestellt.

Ich werde dies mit der überarbeiteten Webseite fortsetzen.

Sollten Sie weitere Fragen zu diesem Thema haben, können Sie mir auch gerne ein E-Mail schreiben (Zum Kontaktformular)

Zitate:

Glenn et al.

“Dietary protein and amino acid intake: Links to the maintenance of cognitive health”
Nutrients 2019, 11, 1315: doi:103390, (2019)

Pöldinger W.et al.

“A functional-dimensional approach to depression: serotonin deficiency as a target syndrome in a comparison of 5-hydroxytryptophan and Fluvoxamine“
Pyschopathology 24: 53-81 (1991)

Ogawa et al.

“Plasma L-Tryptophan concentration in major depressive disorder: New data and Meta-Analysis”
J Clin Psychiatry 75 (9): e906-e915, (2014)

Shaw et al.

“Are tryptophan and 5-hydroxytryptophan effective treatments for depression? A meta-analysis”
Australian and New Zealand Journal of Psychiatry 36: 488-491 (2002)